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Carl Nikolaus Riotte -> Carl Nikolaus Riotte in Texas -> 02.01.1851 Elise Wuppermann visits Riotte family

Januar 1851

Montag, den 6. Wie freue ich mich, wieder in unserm lieben Häuschen zu sein, meine lieben Kühe wieder melken zu können, und meinem lieben Männchen wieder seine Lieblingsspeise, warmes Maisbrod zu backen. Silvesterabend waren wir bei unserer lieben Mutter, wo wir ein Glas Punsch tranken. Neujahrmorgen traten wir unsere Reise nach dem Zibolo an, zuvor ritten wir zur Mutter, um ihr zum neuen Jahr zu gratuliren, die arme Frau lag im Bette und hatte das Fieber. Es war so kalt, daß wir, um uns zu erwärmen, mehrere Mal tüchtige Strecken zu Fuß gingen, wo dann Otto die Pferde führte, ich aber hinterherlief und die Pferde mit einem Stocke antrieb. Mittags 1 Uhr kamen wir bei Nohls an, die Guadaloupe war so klein, daß wir durchreiten konnten. Abends waren wir bei Ferguson zum Thee, wo wir uns gut amüsirten. Da Fritz lahm war, lieh Otto bei Ferguson die Bill, ein herrliches Pferdchen, welches ich nach dem Zibolo und zurück ritt. Otto war so heiser, daß er kaum sprechen konnte. Den 2. ritten wir, zu Riotte, unterwegs stieß der alte Niels zu uns, welcher uns den nächsten Weg zeigte. Herr Wallrath und Frau Riotte empfingen uns sehr freundlich. Herr Riotte war nach San Antonio, kehrte jedoch abends zurück. Wir blieben bis Sonntag Morgen, wo uns Herr Wallrath nach Braunfels begleitete. Indeß ich mich mit der lieben Frau Riotte und ihren Kindern unterhielt, machte Otto manchen Ritt in die Umgegend, deren Hauptzweck war, Wagen zu besehen, den letzten Morgen fand er endlich einen, welchen er wahrscheinlich kaufen wird. Den 3. waren wir Nachmittags bei Brachts zum Caffee, Frau B. und ich freuten uns gegenseitig, uns wieder zu sehen, sie war gesund und munter, sie wohnten recht nett in einem kleinen hübschen täuschen. Frau Bracht versprach mir, uns recht bald zu besuchen. Den 4. ging ich mit Frau Riotte zu Perimann, welche das Pianino von alte v. Steins gekauft haben. Nachdem ich die liebe Familie Riotte näher kennengelernt habe, bedaure ich es doppelt, daß sie nicht ganz in uns'rer Nähe wohnen. Wir erkälteten uns beide sehr, besonders ich bekam einen heftigen Husten. In Braunfels trafen wir Heusinger, welcher uns von Minchen den 30. Dec. als ihren Bräutigam vorgestellt war.

 

aus: Elise Wuppermann geb. Tips, Texanische Tagebücher 1850-1865, Hamburg 2013

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