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Der Einsatzbericht der 386th Bomb Group

Der amerikanische Bombenangriff am Heiligabend 1944 galt dem St. Wendeler Bahnhof und war eine direkte Auswirkung der veränderten amerikanischen Strategie von der strategischen Bombardierung (d.h. vorbeugend, auf lange Sicht Resultate bringend) zur taktischen (d.h. auf unmittelbar vorliegende Ziele).
        
Diese Änderung wurde ausgelöst durch die zu diesem Zeitpunkt noch laufende Ardennenoffensive der deutschen Wehrmacht, die die Amerikaner an empfindlicher Stelle und völlig unerwartet getroffen, ihnen hohe Verluste beschert und sie ein ganzes Stück weit zurückgeworfen hatte. Früher waren in der Hauptsache Ziele im Herzen Deutschland bekämpft worden, jetzt konzentrierte man sich auf solche Ziele, die unmittelbar an oder nicht weit ent-fernt von der sich stetig verändernden Frontlinie befanden.
         Dazu gehörte auch der St. Wendeler Bahnhof und auch das nahe liegende Eisenbahninstandsetzungswerk. Die amerikanischen Soldaten in ihren relativ kleinen, zweitmotorigen Maschinen griffen das Werk an, steuerten von dort über den Bahnhof und nahmen die vermeintliche große Fabrikhalle mit Schornstein ein Stück westlich ebenfalls ins Visier, die St. Annenkirche. Aber obwohl sie am Tage operierten und mit den damals modernsten Bombenvisieren ausgerüstet waren, trafen sie oft daneben, was bei der Geschwindigkeit, mit der die Maschinen sich bewegten, nicht sehr verwunderlich ist. Schlimm wurde es natürlich für die Menschen am Boden, deren Häuser in der Flugbahn der Bomben lagen. Die Vorwarnzeit war gering, ein Entkommen fast unmöglich.
         Der Einsatzbericht - verfaßt vom Gruppenkommandeur nach der Rückkehr auf ihren Stützpunkt Beaumont-sur-Oise in Frankreich, etwa 30 Kilometer nördlich von Paris - liest sich nüchtern und emotionslos, ein militärischer Bericht.


24. Dezember 1944
386th Bomber Gruppe
Flugzeugtyp: B-26 Marauder (zweimotorig)
Formationen: Abteilungen und Schwadronen
Angriffsart: Bombardierung auf Sicht
Flughöhe:  9.900 bis 12.000 Fuß (3.300 bis 4.000 Meter)

Abteilung I, Schwadronen A & B
         Normalerweise wurden die Flugzeuge von sog. Pfadfindern zum Ziel geführt, aber das funktionierte heute nicht, und die Formation wurde über Funk geleitet. Das ursprünglich vorgesehene Ziel mußte aufgegeben werden.
         Also kam der Befehl, daß die Bomber das zweite Ziel auf der Liste, das sog Sekundärziel angreifen sollten. Das war St. Wendel.
         Die Schwadronen A und B griffen das Südende des Verschiebebahnhofs an und erzielten herausragende Resultate.
         Beobachtungen während des Angriffs und kurz danach:
Konzentrierte Treffer überziehen die geplante Haupteinschlagszone mit Zentrum am Südende des Verschiebebahnhofs gegenüber dem Rundhaus (Lokschuppen).
         Treffer am Lokschuppen, den Eisenbahnschienen und an abgestellten Eisenbahnwaggons gesichtet.
         Mögliche Treffer oder knappe Fehlwürfe auf ein Fabrikgebiet knapp 200 Meter südwestlich der Haupteinschlagszone. Der Verschiebebahnhof ist bedeckt mit Treffern; es sieht so aus, als als ob die Ein- und Ausfahrweichen für einige Zeit unbenutzbar sein werden..
         Die Führungsmaschine der dritten Schwadron hatte einen Motorschaden und konnte deshalb nicht der Hauptformation nicht folgen. Sie führten deshalb einen Angriff auf Sicht auf Theley durch. Konzentrierte Treffer wurden festgestellt, das Zentrum lag etwa 300 Meter ost-süd-ost des Ortszentrums (vermutlich die Haupteinschlagszone). Eine Seitenstraße wurde getroffen, vermutlich Treffer auf zwei Wohngebäude.

Abteilung II
         Gleichzeitig mit der ersten Abteilung bombardierte auch die zweite Abteilung das Sekundärziel St. Wendel. Sie griff das Nordende des Verschiebebahnhofs auf Sicht an und erzielten ebenfalls exzellente Resultate. Mehr als 50 % der Bomben schlugen innerhalb eines 300-Meter-Radius um die Haupteinschlagszone ein, die meisten etwa 300 Meter nördlich davon. Die Bombenexplosionen bedecken die Ein- und Ausfahrweichen am Nordende des Verschiebebahnhofs. Andere Explosionen waren auf dem einzelnen Schienenstrang zu sehen, der den Bahnhof von Südosten nach Nordwesten durchläuft. Auf dem Bahnhofsgebäude und etwa 30 Wohngebäuden westlich und nordöstlich der Haupteinschlagszone wurden ebenfalls Treffer festgestellt.  


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