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Geschichte(n) -> 11.02.1933 Ein Brief aus China

„Catholic Mission

Tenghsien-Ihotsun

Shantung-China

 

Tenghsien-Ihotsun, den 11. Februar 1933

 

Hochwürdiger Herr Dechant!

 

Sehr spät beantworte ich Ihren freundlichen Brief vom 5. November 1932. Vielen Dank und Vergelts Gott für die Reliquie des lieben heiligen Wendalinus. Sie haben uns eine sehr große Freude damit gemacht. Monsignore Henninghaus hatte die Güte, sie wunderschön ein fassen zu lassen und ein Zeugnis auszustellen. Ich schreibe Ihnen so spät, weil [ich] die Photographien abwarten wollte. Die St. Wendeler Missionsstudenten haben sich in dem Kirchlein ein prächtiges Denkmal  gesetzt. Die Kirche kostet, wie sie da steht sage und schreibe 4990 mexikanische Dollar, ist etwa 4800 Reichsmark. Sie werden es wohl kaum glauben, aber factum. Den Hochaltar kauften die Christen und sammelten dafür 180 mexikanische Dollars. Die St. Wendelinusstatue ist eine Arbeit meines Bruders, der Bildhauer in Offenburg Baden ist.

 

Hochwürdiger Herr Dechant!

St. Wendelinus ist ein ganz gefährlicher Heiliger. Der liebe Heilige hat die Bekehrung des Bezirkes so gründlich in die Hand genommen, daß ich mit dem besten Willen nicht mehr mitkomme. Es bilden sich so viele Gemeinden, es melden sich so viele Katechumen, daß ich es nicht mehr übersehen kann. Das Jahr 1932 führte mir 30 Neugemeinden zu. Iho zählt, obwohl erst 1930 gegründet, bereits 67 Filialgemeinden. Jede dieser Filialen zählt 15-40 Familien. Jetzt im Frühjahr sollen 300 Katechumen getauft werden. Wie ich höre, bilden sich in weiteren 20 Dörfern katholische Gemeinden. Nun sind wir so weit, daß von 10 Dörfern bereits 8 katholische Gemeinden haben. Euer Hochwürden sehen, daß unser lieber Heiliger ganze Arbeit geleistet. Ihm sei Lob und Dank. Bis jetzt liest sich so ein Bericht spannend. Aber die Kehrseite. Ich brauche Katechisten, Lehrer, Gebetshäuser,  Katechumenatsgelder. Ich habe zur zeit 80 Lehrer und Katechisten und Katechistinnen eingestellt, die mir helfen sollen, die Ernte einzubringen. Ich brauche monatlich 500 Mark für Gehälter. Nicht daß der Brief ein Bettelbrief werden sollte. Aber sollten euer Hochwürden mal über freie Missionsgaben verfügen, bedenken Sie bitte an den armen Pastor von St. Wendel in China. Er tut sich sehr schwer. Vielleicht können Sie die Geistlichen des Dekanates auf die günstige Gelegenheit aufmerksam machen, einen ganzen Kreis katholisch zu machen. Ich bitte auch sehr um das Gebet für die mir anvertrauten Seelen.

 

Mit den besten Grüßen

 

Euer Hochwürden dankbarer

 

Jakob Maas S.V.D.

Missionar“

 

[Der Brief befindet sich in Privatbesitz; der Eigentümer ist dem Administrator dieser Website bekannt.]

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