Schriftzug

Auf Hollerstock

Die Straße „Auf Hollerstock“ liegt im alten ehemals eigenständigen Ort Breiten (grob gesagt zwischen Pitschwiese und Tholeyer Straße) und führt von der Breitener Straße mitten in ein Flurstück hinein, das in alten Zeiten diesen Namen trug: der Hollerstock. Die Besiedlung dort setzte in den 1920er Jahren ein. Zur Zeit des 2. Weltkrieges standen dort fünf Gebäude, bis auf eines Doppelhäuser. Drei standen auf der nördlichen - also der linken - Seite, das waren die Hausnummern 1-3-5-7-9-11-13 und fünf auf der südlichen - also der rechten - Seite der Straße.

Im Adressbuch von 1938 finden wir auf dem Hollerstock diese Familien:

1       
Kropfinger, Jakob, Rentner
3        Hank, Peter, Kolonialwarenhandlung
3        Fingerhut, Johann, Hüttenarbeiter
3        Bouillon, Jakob, Rentenempfänger
5        Wolf, Peter, Hüttenarbeiter
5        Otto, Jakob, städt. Arbeiter
7        Wirg, Maria, Witwe
7        Schuck, Josef, städt. Arbeiter
7        Itstein, Elisabeth, Ehefrau
9        Bouillon, Ernst, Bauhilfsarbeiter
11      Kerber, Johann, Maurer
13      Bouillon, Maria, Tabakfabrikarbeiterin
13      Bouillon, Viktor, Tabakfabrikarbeiter

2        Rimbach, Oskar, Schlosser
4        Fuhr, August, Reichsbahnhilfsarbeiter
6        Schmitt, Karl, Arbeiter
6        Knorr, Wilhelm, Arbeiter
8        Schuhmacher, Josef, Schlosser
10      Schmidt, Franz, Bergmann
12      Wagner, Jakob, Bergmann
12      Wagner, Leo, Arbeiter
12      Henkes, Jakob , städt. Arbeiter
12      Backes, Michel, Bergmann
14      Wirth, Johann, Arbeiter
16      Broh, Michel, Maurer
16      Blum, Michel, Tabakspinner
18      Wolf, Johann, Arbeiter
18      Wolf, Katharina, Witwe
18      Oberringer, Jakob, Maurer
20      Alles, Ludwig, Fabrikarbeiter
20      Reh, Paul, städtischer Arbeiter
22      Reh, Reinhard, Arbeiter
22      Keller, Peter, Rentenempfänger
22      Albert, Fritz, Arbeiter
24      Schmitt, Anna, Witwe
24      Fuchs, Wilhelm, Reichsbahnschlosser

Über die Ereignisse auf dem Hollerstock liegen uns keine Augenzeugenberichte vor. Die Daten habe ich aus den bereits genannten Quellen zusammengestellt.

Hollerstock 6 (Henkes)

Im Haus Hollerstock 6 wohnten 1938 zwei Familien. Da war zum einen der Bauhilfsarbeiter Wilhelm Knorr mit zwei Söhnen seiner verstorbenen Ehefrau Christine Schmitt namens Karl und Josef Viktor Schmitt. Knorr hatte ursprünglich in St. Wendel in der Fruchtmarkt 17 gewohnt und war in November 1929 in das Haus am Hollerstock gezogen.
        
Die andere Familie war die des städtischen Arbeiters Jakob Henkes mit seiner Ehefrau Maria Hausberger verwitwete Noll. Sie hatten 1935 zunächst in Hollerstock 2 gewohnt, bevor sie im April 1938 hierher umgezogen waren. Maria Henkes starb am Heiligabend in den Trümmern des Hauses. Ihr Ehemann Jakob wurde 14 Tage später im Hospital in St. Wendel aufgenommen, wo er im Juli 1948 im Alter von 68 Jahren gestorben ist.
         Neue Eigentümerin wurde die Steuerberaterin Dorothea Setzer, die im Februar beim hiesigen Bauamt den Antrag stellte, „das durch Kriegseinwirken zerstörte Wohnhaus wieder zu errichten. Die Nachbarhäuser sind noch nicht wiederaufgebaut.“ Frau Setzer geb. Schmeil stammte aus Chemnitz, wo sie 1933 den den Steuerberater Kurt Setzer aus Frankenthal heiratete. Das Ehepaar zog 1937 nach St. Wendel und ließ sich in der Bungertstraße nieder. Die Ehe wurde 1948 geschieden; im Februar 1949 stellte sie ihren Antrag, wurde aber per 31. Mai 1949 des Landes verwiesen. Das neue Haus wurde zwei Jahre später von Robert Bickelmann erbaut.

Hollerstock 8 (Schumacher)

        
Der Schlosser Arnold Peter Josef Schumacher stammte aus Krefeld und heiratete 1913 die St. Wendlerin Magdalena Wirg. In Moers kamen drei ihrer Kinder zur Welt, dann zog das Ehepaar nach St. Wendel in die Balduinstraße um. 1929 bezogen sie ihr Haus auf dem Hollerstock. Hollerstock 8, die linke Doppelhaushälfte (mit Nr. 6) wurde völlig zerstört. Die Familie - mittlerweile auf 5 Kinder angewachsen - wohnte zu Kriegsende in einer der Baracken des ehemaligen RAD-Lagers in der Ostertalstraße. 1959 zogen sie in die Alfred-Friedrich-Straße.
         Das Haus Hollerstock 8 wurde 1952 wieder errichtet.

Hollerstock 10 (Schmidt)

        
Der Bergmann Franz Schmidt zog mit Frau Karolina Bläsius und Kindern 1929 in das Haus Hollerstock 10, wo die beiden Töchter geboren wurden. Der älteste Sohn Franz Georg fiel im Juni 1944 im Osten. Nach der Zerstörung ihres Hauses wohnten sie Auf Hollerstock 26, bevor sie im August 1952 in den Neubau Hollerstock 28 umzogen.

Hollerstock 12 (Backes)

Im Haus Nr. 12 wohnten zwei Familien. Zum einen der Bergmann Nikolaus Leo Wagner mit seiner Ehefrau Pauline Fehr und Tochter Renate Margarete. Sie zogen 1929 nach Heiligenwald, kehrten aber 1931 in dieses Haus zurück.
        
Der Bergmann Michel Backes aus Winterbach zog mit seiner Ehefrau Maria Krämer und seinen 7 Kindern (6 Töchter, 1 Sohn) im Dezember 1935 auf Hollerstock 12. Dort kamen drei weitere Töchter zur Welt, die letztgeborene im Mai 1944. Bei dem Angriff am Heiligen Abend kam die Tochter Irmgard, geb. 1928, ums Leben. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. Eine ihrer Schwestern wurde aus den Trümmern lebend geborgen. Die Familie wohnte ab Juli 1945  unten in der alten Kaserne in der Bungertstraße 19.
         Das Haus wurde 1956 von Familie Moosmann wieder aufgebaut.

Hollerstock 14 (Wirth)

        
Im Haus Hollerstock 14 wohnte seit 1936 der Arbeiter Johann Wirth mit Ehefrau Karoline Oberringer und ihren sieben Kindern. Das Haus wurde beim Bombenangriff - vermutlich durch die Druckwelle - schwer beschädigt, weshalb die Familie in der Schulstraße ein neues Domizil suchte. Bereits am 10. Juli 1945 beantragte Wirth beim Bauamt St. Wendel, sein Wohnhaus wieder aufbauen zu dürfen. Genau geschrieben beantragte er die Wiederherstellung des Erdgeschosses mit gleichzeitiger Aufstockung. Am 12. Dezember 1947 bezog die Familie ihr Haus wieder.

Am Heiligen Abend 1944 wurden zwei Häuser auf der rechten Seite von Bomben getroffen und vollständig zerstört. Das Luftbild vom März 1945 zeigt das Ausmaß der Verwüstung:

Getroffen wurden die Häuser 6-8 und 10-12.

Die Haushälfte 14 wies starke Schäden auf.

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