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Geschichte(n) -> 1897 Der hl. Wendelin reist nach Nordamerika

Der heilige Wendalinus reist nach Nordamerika

 

Viele Menschen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus St. Wendel nach Nordamerika auswanderten, ließen sich im nordöstlichen Teil des Bundesstaates New York nieder. Deshalb finden sich heute noch Namen wie Schubmehl, Kornbrust, Rauber, Schwingel und Engel in vielerlei amerikanisierten Variationen in den Orten Dansville, Perkinsville, Wayland, Cohocton und Loon Lake wieder (um nur ein paar Ortsnamen zu nennen). Diese Orte liegen in den Counties Livingston und Steuben, damals eine Tages-, heute eine Stundenreise südlich von Rochester, NY, am Lake Ontario.

 

Der erste Teil ihrer Reise führte die Auswanderer von ihrer Heimat aus zu einem der Seehäfen: Hamburg, Bremen, vielleicht auch nach Belgien oder LeHavre in Frankreich. Nach wochen-, oft monatelanger und nicht selten gefährlicher Seereise gelangten sie im Hafen von New York City an. Dort stiegen sie auf einen Dampfer um, der sie den Hudson River hinauf bis nach Albany brachte (wenn sie es sich leisten konnten). Vor 1825 ging es ab Albany nur noch zu Fuß oder per Planwagen weiter nach Westen, aber im Frühjahr diesen Jahres wurde der Erie-Kanal fertiggestellt, der die Stadt am Hudson mit dem etwa 600 Kilometer entfernten Buffalo am Erie-See verbindet. Buffalo kennen Sie sicher noch aus Theodor Fontanes berühmten Gedicht "John Maynard.

 

Schon in diesem ersten Jahr wurde der Kanal von 40.000 Siedlern befahren, die nach Westen wollen. Der Gütertransport wurde auf einmal schneller, leichter und billiger. Das hatte zur Folge, daß entlang des Kanals Siedlungen entstanden und die schon existierenden Dörfer und Städte rasend schnell wuchsen.

 

Rochester, heute etwa eine Stunde östlich der Niagara-Fälle und Hauptsitz der Kodak-Eastman-Werke, wurde zur ersten der sogenannten "boomtowns" (Städte, die aus dem Boden schießen und rasend schnell zu Großstädten anwachsen). 1815 bestand seine Bevölkerung noch aus 331 Menschen. 1827 war die Bevölkerung schon auf 8.000 angewachsen. Der erste Entwurf für diesen Kanal aus dem Jahre 1699 stammte übrigens von dem französischen Baumeister Vauban, der dreißig Jahre vorher Saarlouis erbaute.

 

Am Sonntag, 1. Juni 1902, trafen sich Delegationen der katholischen Vereine, deren Mitglieder fast ausschließlich aus deutschen Einwanderern der ersten und zweiten Generation bestanden, in der Kleinstadt Dansville, Livingston County, New York. Diese katholischen Gesellschaften waren unter der deutschen Bezeichnung "Staatsverband" organisiert und trafen sich in regelmäßigen Abständen. Das Treffen in Dansville wurde von der ortsansässigen St. Bonifazius-Gesellschaft ausgerichtet. Oscar Woodruff, der Bürgermeister von Dansville, eröffnete die Veranstaltung, die mit großem Engagement der Bevölkerung gefeiert wurde. Über der Hauptstraße hing ein großes Schild mit der Aufschrift: "Willkommen, Delegaten". Das Hochamt begann morgens um halb elf in der katholischen Pfarrei "St. Mary's". Father Aloysius Huber, Pastor der Nachbargemeinde Perkinsville, hielt seine Predigt - in Deutsch.

Am nächsten Morgen gab es eine prächtige Parade, die fast ausschließlich aus den Mitgliedern der einzelnen Vereinigungen bestand. Angeführt wurde der Zug von der "Soldier's Home Band" aus Bath. Ihr folgten die einzelnen Delegationen der Vereine. Dann kam eine Blaskapelle, die "Cornet Band", und den Abschluß bildete die "St. Wendalinus Society" aus Perkinsville. Danach gab es ein großes Dinner, serviert von 40 Frauen der Pfarrei St. Mary's. Ein weiteres Hochamt am Dienstagmorgen, wieder weitgehend in Deutsch gehalten, schloß die Veranstaltung ab.

 

 

 

Um zu ergründen, was es mit dieser "St. Wendalinus Gesellschaft" auf sich hat, ist es notwendig, tiefer in die Geschichte des Fleckens Perkinsville einzusteigen.

 

Die Ursprünge der Siedlung gehen ins 18. Jahrhundert zurück. Damals gehörte das Gebiet den Seneca, einem indianischen Stamm, der von den Franzosen als "Fünf Nationen" und den Engländern als "Irokesen" bezeichnet wurde. Die Seneca waren die Wächter des indianischen Territoriums, des sog. "Langhauses", nach Westen.

 

Aus "weißer" Sicht gehörte das Territorium, in dem Perkinsville heute liegt, dem britischen König. Charles I hatte es 1663 seinem Sohn, dem Duke of York, geschenkt, während die Massachusetts Bay Company 1691 einen Titel darauf erwarb. Aus dem Gebiet des Herzogs von York wurde der Bundesstaat "New York" und aus dem Einflußbereic der Massachusetts Bay Company der Bundesstaat "Massachusetts". Der sich daraus entspinnnende Besitzstreit wurde im Jahre 1786 in Hartford, Connecticut, mit einem Kompromiß geschlichtet, der dieses Gebiet zunächst Massachusetts zuschlug. Eine private Gesellschaft, die Phelps & Gorham Company, kaufte es dem neuen Bundesstaat für 300 Dollar ab, kam aber mit den Indianern vor Ort nicht zurecht. Am 17. November 1790 verkaufte sie es an Robert Morris und der weiter an William Pulteney aus England.

 

Im darauffolgenden Jahr legte ein Ingenieur namens Williamson die sog. "Plank Road" an, eine Straße aus Holzplanken, die von Dansville aus über die Berge in das Tal führte, in dem heute auch Perkinsville liegt. Die Benutzung dieser Straße war natürlich nicht kostenlos - es gab an beiden Enden Mautstationen, an denen die Benutzer ihre Gebühren bezahlen mußten. Der erste Siedler und Namensgeber der Siedlung war ein Kaufmann namens Benjamin Perkins, der sich mit seiner Ehefrau Lydia hier niederließ, von Pulteney Land kaufte und eine Sägemühle errichtete. Nach dieser Sägemühle erhielt der langsame entstehende Ort auch seinen ersten Namen: "Saw Mill". Spätere Bezeichnungen waren das wenig schmeichelhafte "Red Tavern" (rote Kneipe), dann Portway und schließlich Perkinsville. 1813 erbauten Abijah Fowler und Dugal Cameron ganz in der Nähe der Säge- eine Mahlmühle, deren Fundamente heute noch zu erkennen sind.

 

Im gleichen Jahr wanderte ein Mann namens John Brail, der sich in Pennsylvania nicht mehr wohlfühlte, in diese Gegend und kaufte Land auf einem südlich gelegenen Höhenrücken, der den Namen "Sandy Hill" trug, der "sandige Hügel". John Brail wurde der erste Siedler dort oben; im Herbst 1817 folgten ihm seine Frau und die sieben Kinder in das neue Heim, eine Blockhütte auf Sandy Hill. Bereits im folgenden Jahr ließen sich weitere Siedler hier nieder. 1824 wurde ein Schulhaus errichtet, indem ein Mr. Brockway für 18 Dollar im Monat unterrichtete. Er erhielt seinen Lohn in Form von Bauholz.

 

1834 - als Brail 63 Jahre alt war - hatte die deutsche Einwanderung im nördlichen Teil von Steuben County, zu dem auch Perkinsville und Sandy Hill gehörten, ihren ersten Höhepunkt erreicht. Die Brails hatten es zu Wohlstand gebracht und waren in ein moderneres Haus umgezogen. Die alte Blockhütte diente als zeitweilige Unterkunft, bis die Neusiedler selbst Häuser bauen konnten. Da es noch keine Kirche gab und entsprechend auch keinen Pfarrer, wurde der Gottesdienst von Priestern des Ordens der Redemptoristen aus Rochester im Wohnhaus von T.B. Froehlinger gehalten, Schwiegervater von John Friedrich aus Urweiler.

 

 

Die alte Blockkirche von Sandyhill, abgerissen kurz vor 1900

 

Im gleichen Jahr brach das Unheil über die Siedlung herein. Im August fuhren John Brail und ein Nachbar mit der Kutsche die 80 Meilen bis nach Buffalo am Eriesee, um vier deutsche Auswandererfamilien auf den Hügel zu bringen. Sie waren von New York City aus über den Erie-Kanal angereist, und einer von ihnen starb auf dem Boot an der Cholera. Anstatt die Kleider zu verbrennen, verpackte man sie in eine eisenbeschlagene Kiste, um sie bei Gelegenheit zu waschen. Diese Kiste kam mit den 18 Emigranten und ihrem Gepäck nach Sandy Hill, wo Mr. Brail sie in seinem alten Haus unterbrachte. Mrs. Brail half den Neuankömmlingen bei der Wäsche. Es wird als sicher angenommen, daß unter den gewaschenen Kleidungsstücken auch die choleraverseuchten aus der Kiste waren. Mrs. Brail erkrankte noch am gleichen Abend und starb am nächsten Tag - es war Mittwoch, der 24. August 1834. Die Diagnose der Ärzte aus Dansville lautete: schwerer Fall von Cholera.

 

Am Samstag erkrankten die beiden Töchter von Mr. Brail. Eine von ihnen starb sechs Stunden später, die andere erholte sich wieder. Die Ärzte wußten jetzt sicher, daß es sich um die Cholera handelte, und versuchten, die Seuche einzudämmen. Einige Nachbarn legten ihr Leben in Gottes Hand, begruben die Toten und kümmerten sich um die Kranken. Die meisten von ihnen wurden für ihre Menschlichkeit und Tapferkeit schlecht belohnt - sie steckten sich an. Zu ihnen gehörten Samuel Lemen, Zara Blake, Samuel G. Dörr, Michael Driesbach, Rufus Stone, Joseph Acomb, Andrew und John Brail junior. Brails Sohn George wurde das dritte Oper, er starb zwei Tage nach dem Tod seiner Schwester. Das alte Schulhaus wurde zu einer Schreinerei umfunktioniert, in der Särge angefertigt wurden. In der Siedlung brach Panik aus und griff auf die anderen Siedlungen im Umkreis über. Eine Gruppe von Männern bezog Posten, um den Zugang vom und zum Sandy Hill zu verhindern; es war eine undankbare Aufgabe, aber notwendig. Innerhalb von zwölf Tagen waren fast zwei Drittel der Auswanderer im alten Blockhaus tot, darunter eine Frau Kirch und sechs ihrer Kinder. Die restlichen Kranken wurden auf Tragbahren in Hütten im Wald verlegt. Aber das Sterben ging weiter, und abends wurden in Rufus Stone's Haus Särge gebaut. Am 15. September starb Mr. Acomb, und eine Woche darauf wurde das letzte der Opfer, Rebecca Decker, beerdigt. Die genaue Zahl der Toten ist nicht überliefert. Die Seuche war so schlimm, daß die wenigen Kranken, die überlebten, noch lange psychische Auswirkungen zeigten und ihre Gesundheit auf immer angegriffen war. Nur ihr strenger religiöser Glaube verhinderte, daß die Überlebenden aufgaben.

 

Die Toten der Cholera-Epidemie von 1834:

 

George Brail, Sohn von John und Margaret, + 1. September 1834, 28 Jahre alt

Margaret Brail, Ehefrau von John Brail, + 28. August 1834, 56 Jahre alt

N. Brail, Tochter von John und Margaret,

zwei Auswanderer, vermutlich Mr. Rider und Mr. Kirsch

ein Auswanderer namens Mr. Bolinger

die Tochter von Mr. Rider

Simeon Becker, Sohn von Samuel und Rebecker Decker, + 04.09.1834

Rebecca Decker, Ehefrau von Samuel, + 9. September 1834, 56

Joseph Acomb, + 11.09.1834, 67

Darius Decker, + 21.09.1834

 

Achtzehn Tote.

 

Die geistliche Seelsorge verrichtete Reverend P. Czakert im Haus von Peter Schlick (überliefert als "Schinick"), einem der ersten deutschen Siedler auf Sandy Hill, bereits im Jahre 1836.

 

 

Am 24. Juli 1838 kaufte eine Gruppe deutscher Siedler für 2,50 Dollar ein etwa 40 Hektar großes Stück Land auf dem Hügel. Der Kaufvertrag, der im Verwaltungsbüro von Ontario County abgeschlossen wurde, nennt als Verkäufer den Stellvertreter von "Hornby Estate of Great Britain" und als Käufer Peter Jakob, Georg Gross senior und Georg Gross junior. Im gleichen Jahr wurde die erste Kirche vollständig aus Holz auf dem Sandy Hill errichtet. Die Pfarrei auf Sandy Hill wurde im darauffolgenden Jahr in das Bistum Rochester eingegliedert (incorporiert); gemäß der bestehenden Gesetze, die das Bistum vorgab, wurde die Pfarrei von ihren Vermögensverwaltern, den sog. "Trustees", geleitet.

 

In der Pfarrgeschichte lesen wir in deutscher Sprache:

 

"Dansville in the State of New York den 22ten May im Jahre 1843.

 

Da im Jahre 1839 die deutsch katholische Gemeinde incorporiert wurde und sich eine eigene Kirche gebaut und gemäß des Gesetzes jährlich Trustees gewählt hatte; allein durch Erfahrung hinreichend überzeugt ward, daß die Verwaltung durch Trustees, und Trustee Wahlen nicht zum besten, sondern zum Nachtheil der Gemeinde und Religion führte; so wurde daher eine Gemeindeversamlung am 22ten May gehalten, nachdem dray Sontäge zu vor in dem öffentlichen Gottesdienst öffentlich bekannt gemacht wurde, daß an diesem genannten Tage eine Versammlung dieser incorporierten Gemeinde gehalten werde, und auch bekannt gemacht zu welchem Zwecke. Zum Presidenten dieser Gemeins Versammlung wurde erwählt Anton Baumstark. Zum Secretaire wurde erwählt Georg Groß Zum Richter Michael Endler Jn dieser Versammlung wurde dann mit der Mehrheit beschlossen.

 

1. Beschlossen, daß von diesem Tage an nie mals mehr neue Trustees Wahl statt haben soll, und daß die Kirche nicht mehr durch Trustees regiert werden soll.

 

2. Beschlossen, daß die Verwaltung dieser Kirche für immer dem Hochwürdigsten Bischofe John Hughes und Nachfolgern übergeben ist, der dann durch sich selbst oder durch den angestellten Priestern die Vorsteher zu ernennen hat und alles anzuorden, was Er zum Besten der Gemeinde und der heiligen Reliquie gut finden wird.

 

3. Beschlossen, daß die Trustees von der Gemeinde angewiesen sind, dieses zu vollziehen und dem Bischofe zu überschiken."

 

Alle 26 Anwesenden, deren Namen wir später noch kennenlernen werden, stimmten mit "ja".

 

Es war wohl damals nicht unüblich, daß eine Kirche erst Jahre nach der Erbauung eingesegnet wurde: die Kirche auf Sandy Hill wurde erst am 2. Oktober 1844 von Reverent George Beranac aus dem heutigen Tschechien, dem Pastor von St. Joseph in Rochester, auf den Namen "Church of the Blessed Virgin Mary of the Most Holy Rosary" (Kirche der gnadenreiche Jungfrau Maria des Allerheiligsten Rosenkranzes) geweiht. Das zuständige Bistum war Rochester, ab 1847 Buffalo.

 

Sie wurde zur "Mutter der katholischen Kirchen" für die aufblühenden Städte Dansville, Wayland, Hammondsport und Cohocton. Viele Gläubige waren viele Stunden und viele Meilen unterwegs, um den Gottesdienst besuchen zu können. Da es aber nur eine einzige Kirche gab und viele Menschen den Gottesdienst nicht besuchen konnten, u.a. wegen der großen Entfernungen, reiste der Priester zu Fuß, auf dem Pferd oder mit einem Ochsengespann durch das Land, um seine Seelsorge auszuüben.

 

Die ältesten Unterlagen berichten von Familien "aus der Gegend von Trier in Deutschland", die den Kern der ersten katholischen Kirche außerhalb von Rochester, NY, bildeten. Einige von ihnen können wir näher bestimmen:

 

Anton Altmeyer, * 10.06.1809 Alsfassen, mit Ehefrau Helene Gunther (ziehen 1849 nach Dansville) sowie sein Bruder Michel Altmeyer, * 24.04.1814 Alsfassen

 

Michael Endler * 1812, und Ehefrau Johanna, * 1816

 

Nikolaus Engel, geb. 06.03.1794 Breiten, Sohn von Nikolaus Engel und Elisabeth Wahl

 

Johann Fleck, * 28.11.1804, Taglöhner aus Alsweiler,  mit seiner Ehefrau Margarethe Gräber aus Alsfassen und sein Bruder Jakob Fleck, * 11.07.1898, Schuhmacher zu Alsweiler, wandern um 1845 aus.

 

Johann Friedrich, * 20.10.1825 Urweiler, Sohn von Wendel Friedrich und Johanna Malter; sein Schwiegervater wird auch genannt: John B. Froehlinger

 

Maria Glauber, und seine Ehefrau Katharina Rech aus Oberthal-Linden wandern vor 1838 aus

 

Georg Gross senior, * 28.04.1783 Remmesweiler, Witwer von Margarethe Wilhelm (+ 1833), mit fünf Kindern ausgewandert, darunter sein Sohn Georg Gross junior, * 20.09.1817 + 1907

 

Johann Gunther, * 15.02.1818, und Franz Gunther, * 09.02.1819 St. Wendel, Söhne des Metzgers Johann Gunther und seiner Ehefrau Margarethe Becker (Auswanderung ca. 1840, lassen sich erst auf Sandy Hill, dann in Dansville nieder)

 

Georg Haber, * 1805, und Ehefrau Appollonia ("Polly), wohnen 1860 in Dansville, NY

 

Peter Jakob * 07.02.1793 Deutschland + 1874 Perkinsville, NY

 

Franz Kirch, * 1799 Bliesen, Schuhmacher, Sohn von Stephan Kirch und Anna

 

Alexander Lieb, * 02.03.1820 St. Wendel, Sohn von Peter Lieb und Johannetta Friedrich (mit seiner Mutter im Dezember 1837 ausgewandert)

 

Nikolaus Malter, * 20.2.1807 Urweiler, Sohn von Jakob Malter und Anna Maria Spielmann, wandert um 1830 aus

 

Johann Monz, * 03.03.1809 St. Wendel, Sohn von Nikolaus Monz und Elisabeth Klein (nach dem Tod seiner Ehefrau wanderte Nikolaus Monz mit seinen beiden Töchtern 1836 nach Amerika aus)

 

Nicholas Raber, * 1812 + 19.07.1878 Perkinsville

 

Jacob Ritter aus Baltersweiler und seine Ehefrau Elisabetha Julius

 

Kaspar Sauerbier, * 1807, eingewandert aus Hessen

 

Andreas Schario, * 08.09.1819, und sein Bruder Peter Schario, * 19.7.1816, beide aus Urexweiler

 

Nikolaus Schlick, * 1808, und Ehefrau Katharina, * 1831, wohnen 1870 in Dansville, NY

 

Peter Schubmehl, * 29.10.1792 Breiten, Weber, mit Ehefrau Johanna Engel und Söhnen Nicholas, Peter, Jacob, Franz und Johann Nikolaus

 

Johann Franz Schue, * 29.10.1817 St. Wendel, Sohn des St. Wendeler Lehrers Johann Schue und der Katharina Stockert (Auswanderung im April 1837)

 

Johann Staub, genannt "Stäube Hans", * 1816 + 16.06.1893 Perkinsville

 

Peter Staub, * 26.07.1810 + 22.12.1901 Perkinsville

 

Heinrich Barwe

Anton Baumstark

Christian Grein

Johannes Kimmel (1846)

Nikolaus Lautenberger

Stephan Rauber

Jacob Schmit

Peter Wagner

 

Unter den ältesten Kirchenbucheinträgen finden sich drei Taufen:

Catherina Bishosky, Tochter von Helene Gander, geb. 15. August 1836

 

Jakob, * 29. April 1836, Sohn von Nikolaus Karlinofski und Anna Katharina Fleck (sein Vater Gottfried Carlinofsky (verschiedene Schreibweisen), Witwer von Anna Maria Servatius, wanderte im Februar 1834 mit seinem Sohn Nikolaus und seiner Nichte Maria Wilhelmina in die USA aus)

 

Elisabeth Neis, geboren 13. Januar 1836, getauft 12. August 1836.

 

Und sechs Todesfälle:

 

George Gross, + Dezember 1842, 61 Jahre alt

Nicholas Haben, + März 1843

John Sauerbier, + Februar 1846

John Staub, + Januar 1849

Nicholas Neis, + Juni 1840

Peter Hager, + Juni 1846.

 

Einige von ihnen sind noch an den Spätfolgen der Cholera von 1834 gestorben.

 

Unten im Tal war der Ort Perkinsville in der Zwischenzeit stark gewachsen. Eine protestantische Gemeinde war entstanden: am 10. November 1836 gründeten die "Väter der deutschen Familien" im Haus von Mr. Schwingel eine christliche Kongregation. Als Präsident wurde Jakob Wolfanger und als Geschäftsführer Adam Bayer gewählt. Dabei muß erwähnt werden, daß Frauen damals noch nicht wählen durften, auch nicht in kirchlichen Belangen (letzteres wurde erst 1859 eingeführt).

 

Die erste registrierte Taufe war die von Elizabeth, Tochter von Mr. und Mrs. Ludwig Gottschall, im Mai 1833. Gottesdienst wurde im alten "Schulhaus" gefeiert, das heute noch an der Straße gegenüber der Kirche steht. Die "St. Peter's Church" wurde 1845 errichtet und am 21. Mai 1846 durch Pastor Muelhauser aus Rochester eingeweiht. 1858 stellte man mit Pfarrer Klein den ersten festangestellten Geistlichen ein; sein Gehalt betrug statliche 500 Dollar im Jahr. Die offizielle Kirchensprache blieb das Deutsche - bis zum Ersten Weltkrieg.

 

Im Jahre 1848 entschieden sich die Menschen in Dansville, in ihrer Stadt eine eigene katholische Kirche zu bauen. So enstand die Pfarrei und Kirche "St. Mary's" in Dansville.

 

In der schon zitierten "Kirchengeschichte von Perkinsville" lesen wir dazu:

 

"Am 3ten Mai 1848 wurden auf Anordnung des H. H. Bischofes Timon die Gemeinden Sandyhill u. Dansville getrennt u. am 27. Mai wurde Adam Vogt als Cassier erwählt; Ant. Altmeier bleibt Collector u. als Kirchenrath tritt John Staub ein."

 

Trotz der Trennung betreute der katholische Priester von Dansville

 

Nach dem sie einige sehr strenge Winter auf Sandy Hill verbracht hatten, gaben die meisten Bewohner ihre Siedlung auf und zogen ins Tal hinab. Der Bischof der Stadt Buffalo, John Timon, kaufte ein Stück Land von Nicholas und Elisabeth Morsch aus Perkinsville und bezahlte einen ganzen Dollar dafür. Unter der Aufsicht von Reverend A. Schweiger erbauten Nicholas Morsch und Jakob Schmitt eine neue Kirche in Perkinsville, die den Namen "The Church of the Annunciation of the Blessed Virgin Mary" (Kirche der Ankündigung der gnadenreichen Jungfrau Maria) erhielt. Father Schweiger las am 30. November 1850 die erste Messe. Im Jahre 1856 konnte Father Hatala, einer von Schweigers Nachfolgern, einige Schwestern des Ordens "Notre Dame" aus Milwaukee dazu bewegen, sich hier niederzulassen und den Schuldienst auszuüben.

 

Zu den Familien, die am längsten auf Sandy Hill aushielten, zählten Peter Engel und Barbara Marck aus Alsfassen. Barbara, deren Eltern in Alsfassen auf dem Hügel wohnten (heute: Auf dem Hügel 17), war im Alter von 20 Jahren von Le Havre aus auf einem Segler aufgebrochen, der nach dreimonatiger Seereise im Spätapril 1846 bei sehr schlechtem Wetter beinahe Schiffbruch erlitt und mit völlig erschöpften Nahrungsmittelvorräten mit knapper Not den Hafen von New York erreichte. Barbara reiste von New York City nach Dansville, NY, wo sie für einige Zeit bei Stephen Rauber unterkam, bis ein Jahr später ihre Eltern nach Amerika nachkamen. Sie kauften einige Hektar Land auf Sandy Hill. Barbara engagierte sich in der katholischen Gemeinde von Perkinsville und am Bau der ersten Kirche. Am 1. Januar 1850 heiratete sie den ebenfalls aus Alsfassen stammenden Peter Engel, der auf Richter Phelps Farm bei Canandaigua, NY, angestellt war. Ein Jahr später kauften sie 50 Hektar Waldland auf Sandy Hill von Anton Altmeyer. Wie viele Frauen ihrer Zeit verrichtete Barbara harte Männerarbeit. Sie half bei der Rodung des Waldes und packte beim Bau ihrer Blockhütte mit an. Das Ehepaar kaufte sich ein paar Ochsen und bestellte das Land. Das gefällte Holz verkauften sie nach Dansville oder tauschten es gegen Lebensnotwendiges ein. Sie verbrachten 17 Jahre auf Sandy Hill. Im Jahre 1868 verkauften sie ihre Farm an Jakob Lander und kauften 200 Hektar Land nahe East Springwater, etwa acht Meilen nordöstlich von Wayland, wo sie sich eine neue Farm aufbauten. 1882 waren sie am Bau der St. Josephs Kirche von Wayland beteiligt. Als Barbara im Herbst 1913 ihre Tochter Elisabeth in Wayland besuchte, wurde sie ernsthaft krank und starb am 31. März 1913. Ihr Ehemann Peter überlebte sie um drei Jahre und starb 1916 im Alter von 98 Jahren.

 

Obwohl die alte Kirche oben auf dem Sandy Hill aufgegeben worden war, wurde der alte Friedhof noch ein paar Jahre weiter benutzt. 1854 kaufte die Gemeinde unten im Ort ein Grundstück nahe der Kirche und legte einen katholischen Friedhof an. Die erste Bestattung erfolgte im gleichen Jahr. Eine Tote wurden gar von Sandy Hill in den neuen Friedhof umgebettet. Andere, die keine lebenden Verwandten mehr hatten, blieben auf dem einsamen, verödeten Friedhof auf dem Hügel zurück, an den nichts mehr erinnerte als ein kleines Holzkreuz. Father Huber ersetzte dieses durch ein stabileres Holzkreuz in den 1890ern. Im Jahre 1949 errichtete Frederick Morsch zusammen mit Bert Dudley und Lawrence Hoffman schließlich das massive, vier Meter hohe Kreuz aus Feldsteinen, das noch heute an Ort und Stelle zu sehen ist. Morsch erfüllte damit ein Versprechen, das er als kleiner Junge seiner Mutter gegeben hatte.

 

In den 1850ern war in Perkinsville richtig was los. Es gab zwei Müller, N. Morsch und D. Houch; zwei Kirchen, eine katholische und eine lutheranische; zwei Schulen, eine öffentliche und eine katholische; zwei Sägewerke, das von J. Smith und ein weiteres, dessen Eigentümer nicht mehr bekannt ist; zwei Kutschbetriebe; zwei Kolonialwarenläden, N. Zimmermann und F. Kirsch und sogar ein Schuhgeschäft.

 

Und es ging weiter aufwärts. Als 1873 der Steuben County Atlas herausgegeben, der neben Landkarten auch schriftliche Angaben über die Bevölkerung und die Wirtschaft enthielt, war Perkinsville eine Gemeinde, die so ziemlich jeden notwendigen Dienst anbot und sich praktisch selbst versorgte. Hotels, Brauereien, Hufschmiede, ein Schuhgeschäft, ein Postgebäude und sogar eine Gerberei. Es gab einen Arzt und Chirurgen, Dr. A. Majewsky. Eine Hufschmiede, in der auch Kutschen und andere Fahrzeuge gebaut und repariert wurden, betrieb H. W. Bill; am anderen Ende der Stadt standen N. Smiths Hufschmiede und J. Millers Fahrzeugbau-Shop. Joseph Gross betrieb ein Hotel. Michael Entler bezeichnete sich selbst als "Hersteller und Verkäufer von Stiefeln und Schuhen aller Art; alle Aufträge werden sofort ausgeführt". Unten am Bach gab es eine Sägemühle, die von Georg Gross betrieben wrude.

 

Stephen Bricks bezeichnete sich in seinen Werbeanzeigen als "Händler von modernen Textilien der wichtigsten Hersteller, Hüte und Mützen, Stiefel und Schuhe, Lebensmittel, Werkzeuge; schauen Sie vorbei und prüfen Sie alles, bevor Sie irgendwo anders einkaufen".

 

Die öffentliche Schule stand auf der Hügelkuppe gegenüber der lutheranischen Kirche. Unten am Bach stand die Wahl-Brauerei, wo Jakob Wahl & Sohn Lager-Bier brauten. Die dazu notwendige Hefe war kurz zuvor in Deutschland erfunden worden und verbesserte den Biergeschmack so erheblich, daß Bier zum ersten Mal in der Geschichte ein wirtschaftlicher Erfolg beschieden war. Davor war das Bierbrauen immer nur Privatsache gewesen - so ähnlich wie das Brotbacken.

 

Und wenn wir schon von Bier sprechen, dann lassen Sie uns gerade die Straße überqueren und die Brauerei von Nicholas Didas & Co. besuchen. Das Bier, das sie brauten, schmeckte nicht nur den Leuten vor Ort, sondern es gewann den 1. Preis der großen Chicago Weltausstellung von 1850. Didas bewarb seine Brauerei als "Lager Bier Brauerei, Perkinsville. Ein guter Markt für Gerste." Zehn Jahre später mußte die Brauerei der neuen Eisenbahn weichen, aber heute noch wächst dort in den Ruinen wild der Hopfen, Zeuge vergangener Tage.

 

Peter Didas betrieb das Didas Hotel, auch das "Perkinsville Hotel" genannt. J. Ritz führte ein Schuhgeschäft; sein Lehrjunge Georg Nold, der 1868 im Alter von 18 Jahren von Deutschland direkt nach Perkinsville ausgewandert war, zog 1872 nach Wayland um und eröffnete sein eigenes Schuhgeschäft. Peter Gessners Kneipe wurde später in "Steuben Hotel" umbenannt. Eine andere Taverne wurde von den Federkeils betrieben, in dem Haus, in dem heute George Huber wohnt. Der 1873er Atlas nennt Peter Conrad als weiteren Kneipenbesitzer, Urban Didas als Schreiner, Nicholas Malter als Viehtreiber und Metzger. C.J. Weirmiller, Conrad Bill, John Jacob Schwingle, Jacob Hoffman, Philip Conrad, Jacob Wolfanger and Charles Mehlenbacher betrieben ihre Bauernhöfe, die man in Amerika "Farmen" nennt, im Umkreis um die Stadt.

 

Da die Gemeinde schnell wuchs, war die alte Kirche bald zu klein geworden. So wurde Father Vincent Scheffels aus dem Bistum Münster eine neue Kirche gebaut und unter dem Namen "Church of the Sacred Heart of Jesus" ("Kirche des geheiligten Herzens Jesu") am 5. Mai 1884 von Bischof Ryan aus Rochester eingeweiht. Diese Kirche steht heute noch in Perkinsville.

 

Am 14. Januar 1893 trat ein junger Priester den Dienst in "Sacred Heart" an. Sein Name war Alois L. Huber, geboren am 9. Mai 1862 in Zeilarn im Bistum Passau. Im Mai 1883 wanderte er auf der "Fulda" von Bremen nach New York aus. Auf dem 1846 durch den deutschen Benediktinermönch Bonifacius Wimmer gegründeten Saint Vincent College in Latrobe, Pennsylvania, studierte er zunächst zwei Semester Philosophie (1884-1886), dann drei Semester Theologie (1886-1889) und wurde am 15. Juni 1889 in Suspension Bridge, das heute Niagara Falls heißt und - wie der Name schon sagt - am Fuße der Niagara-Fälle liegt, zum Priester geweiht. Zwei Jahre nach seinem Dienstantritt in Perkinsville übersiedelte seine zehn Jahre ältere Schwester Anna Huber aus Deutschland und führte ihm den Haushalt.

 

Unter Father Huber wurde nahe der Hauptstraße ein neues Pfarrhaus gebaut. Am Tag des Umzugs vom alten in das neue Pfarrhaus feierte die Familie von Peter Gessner die Geburt ihrer jüngsten Tochter Hilda. Gessner war der Wirt einer Kneipe an der Ecke, und prompt lud er alle, die bei dem Umzug mithalfen, zu der Feier mit ein. Natürlich wurde das Angebot gerne angenommen, und die Gäste, die in das übervolle Haus nicht mehr hineinpaßten, saßen die ganze Nacht auf der Straße und feierten. Unter Father Huber kam die Pfarrei wieder zurück an das neugebildete Bistum von Rochester, dessen Vorsitz Bischof Bernard McQuaid führte.

 

Unter Father Hubers Schäfchen befanden sich viele Amerikaner, deren Vorfahren noch in Deutschland geboren waren, und viele Deutsche, die niemals eingebürgert, jetzt staatenlos waren. Denn mit dem Verlassen Preussens wurden sie automatisch ausgebürgert. Die USA verlangte nicht von ihnen, sich einbürgern zu lassen, und viele taten es auch nicht. Ihre Kinder wurden Amerikaner per Geburt. Doch genauso wie die Protestanten in ihrer Gemeinde weiterhin Deutsch sprachen, praktizierten es auch die Katholiken. Father E.J. Eschrich, dessen Vorfahren in St. Wendel im 19. Jahrhundert einen Maire von Walhausen und einen Notar von St. Wendel stellten und der als kleiner Junge in den 1890ern in Dansville lebte, errinnerte sich in einem Interview daran, daß er in seiner Kindheit oft in Perkinsville war, wo die Jungen zwar Baseball spielten, aber dabei Deutsch sprachen. Alles geschah dort in deutscher Sprache: die Geschäfte, das kirchliche Leben, einfach alles. Perkinsville war "ein Stück Deutschland".

 

 

 

Deshalb wurde unter den Menschen der Wunsch immer größer, ein Stück der alten Heimat hierher in die neue Heimat nach Amerika bringen zu lassen. Die meisten stammten aus St. Wendel und seiner näheren Umgebung. Und so traten sie kurz nach Hubers Amtsantritt Mitglieder seiner Pfarrei mit einer ganz besonderen Bitte an ihn heran. Huber, der ja selbst Deutscher war und ebenfalls nie eingebürgert wurde, konnte ihren Wunsch vermutlich gut nachvollziehen. Er setzte sich mit dem mit dem Trierer Bischof, Michael Felix Korum in Verbindung, der seinem Wunsch entsprach und veranlaßte, daß bei der nächsten Ausstellung der Reliquie im Oktober 1896 ein Knochenfragment entnommen. Sein Freund Josef Hummel, Priester in Gardensville nahe Buffalo am Eriesee, brachte es von einer Europareise mit, worauf es 1897 feierlich in der Kirche "Sacred Heart" beigesetzt wurde. Ihm zu Ehren und dem Heiligen, von dem es stammte, zum Gedenken gründeten die Männer der Pfarrei die "Gesellschaft des Heiligen Wendalinus", die 1902 an der Parade in Dansville teilnahm.

 

Father Huber, der dies ermöglicht hatte, starb nicht lange danach am 29. Dezember 1906 in Perkinsville und wurde am 2. Januar 1907 auf dem katholischen Friedhof begraben. Und da in Amerika Gräber nicht entfernt werden dürfen, ruht er dort noch heute.

 

 

Quellen:

Wilfred J. Rauber, "Parish Pathways II", Dansville, 1995

 

Elizabeth Engel, "Perkinsville", und Sara Didas u. Viola Bricks "Sacred Heart Church", in: "Our Heritage Wayland Area 1976", Wayland, NY, 1976

"Sacred Heart Roman Catholic Church of Perkinsville, New York", Records 1851-1920, vol. 1 "Register of baptisms, marriages and deaths"

 

A.O. Brunnell "History of Dansville, NY (1789-1902), p. 90-91

 

Robert F. McNamara "The Diocese of Rochester in Amerika 1868.1993", Rochester, NY, 1998, 2nd Edition

 

weitere Hinweise von Quentin Masolotte, Stadthistoriker in Dansville, und Reverend Robert F. McNamara, Bistumshistoriker, Diocese of Rochester, NY

 

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