Schriftzug
Geschichte(n) -> 1697-1698 Kirchenbuch der Stadt und Pfarrei St. Wendelin durch Pastor Keller

Kirchenbuch der Statt und pfarren St. Wendelin

 

Wie ich unterschriebener Pastor selbige befunden mit Ihren Privilegien und Gerechtigkeiten auch was sich zu meiner zeit darin zugetragen verändert und verbessert; neben allen Getaufften, Verheurathen, und Verstorben aufs getreuest verzeichnet. &c

 

Joes Nicolaus Keller St. Naborensis Pastor vor diesem zu Bousendorff, Wallerchen und Bettenachen, Jezt per Canonicam per mutationem Pastor in St. Wendel.

 

Auff St. Nicolai Abend den 5ten Xbris 1697 bin ich mit meinem Hauß staat, Alß Vatter und Mutter Michel Keller und Barbara Frisen auch schwester Catharina und zweyen brüdern Casparo und Joe Michaéle nacher St. Wendel kommen, und Alßbald in festo Sti Nicolai, welcher der pfarrkirchen Patronus Secundarius mit einem Marcktag daselbste meinen Dienst und residentiam angefangen.

Den andern Tag hab ich lasen Herrn Kirchen Synodalen ins pfarrhaus beruffen, und selbige um der pfarren beschaffenheit und Gerechtigkeiten befragen lassen, und seynd Erschienen

H. Johann Demuth alß ältester Synodal auch Hochgerichtsscheffen zu St. Wendel.

H. Joes Heil Senior Synodal, und hochgerichtsScheffen.

Sebastianus Schwaan Synodal, und Kellerey Scheffen.

Michel Josephs Synodal und Hochgerichtsscheffen,

Hans Wilhelmus Laux, Synodal, und Hochgerichtscheffen,

Wendelinus Heckmann, Synodal;

Joes Becker Synodal und Simon Liebrecht Synodal;

Joes Schwaan Synodal

Joes Weisgerber Synodal,

Joes Rieffer Synodal,

Nicolaus Münster Synodal

und mich alß ihren rechtmäsigen von hoher Geistlichen Obrigkeit überschickten Pastoren nach gezeigten Vollmachts brieffen mit höchster Freude und Hofflichtkeit empfangen, und angenommen für ihren H. Amts Verwalteren erkennt, Auß Gnädigstem Kurfürstlich Trierischen befelg unter welcher bottmäsigkeit, und Jurisdiction auch Territorio die ganze pfarr und Amt wär. H. Damianum Hartadum Dahm, so auch dessen Kellner daselbsten und Erster Hochgerichtsscheffen zu St. Wendel, vorgebend, daß H. Jacobus Reiser Altarist wäre des Altars Stae Crucis zu St. Wendel, und in die 25=Jahr selbigen bedient habe.

H. Petrus Maringer aber Altarist Altaris Beatissimae Virginis, und nun nach Ableben H. Jois Wecker in die 4 Jahr bedient habe. Und daß sie meynten, daß noch eines Altars Titul nemblich Sti Dominici, wie alte schrifften außweisen in der Kirchen behalten, so nach der zeit mag bedient werden, daß sie aber nicht wüsten, wem Eigentlich die Collation der Altär zustünde: Ob dem H. Rectori zu Cous des Hospitals, so sich der pfarrey Collator nennet, oder Ihre Kurfürstlichen Gnaden zu Trier, von dem H. Jacobus Reiser die Seine bekommen; dannach, daß sie samtlich meynten, alle H. Altaristen zu St. Wendel, weilen selbige Altareyen der Kirchen vor langen zeiten durch hochgerichtliche Obrigkeit müsen seyn incorporirt worden müssen H. Pastor zu St. Wendel unterthänig seyn, und in Cura animanum behüfflich, darzu sie auch vom Herrn Bischoff und Ordinario approbirt seyen, daß auch nach ihrem dencken H. Jacobus Reiser Sonntäglich die Kristliche Lehr bis dato gehalten, unterweilen geprediget, wie auch H. Petrus Maringen, und sogar infallender Noth zu den Kranken in die Statt, und dörfer gegangen, die heilige Sacramenta zu Administiren, und schuldig seyen, dem Gottesdienst in der pfarrkirchen zu assistiren, dann Täglich von alter Gewohnheit in selbiger um 9 uhr vormittag pflege Hochmeß gesungen zu werden, und um 3 uhr Nachmittags die Vesper, und die 6 hohe Festäg im Jahr morgens oder zu gelegener zeit früh die Metten cum laudibus zum wenigsten Invitatorium, Hymnus mit dem dritten Nocturno, Alß in festo Dedicationis, so allzeit fallen thut Dominica infra Octavam Epiphaniae Domini, nach der H:H: drey Königen Tag. In festo Paschatis, Pentecosten Assumptionis B: Virginis, omnium Sanctorum, Wendelini den 21ten 8bis in der Statt St. Wendel auß Privilegio des Marckts, so den 20ten dito vor der Statt gehalten wird, und dann in Nativitate Dmi mit im hochen Amt zwischen der Metten und laudes von H. Pastor, oder wen Er bestellen wird, pflegen gehalten zu werden, welche Metten ebenmässig in festo Corporis Christi löblich zugesezet worden, wie auch an aller seelen Gedächtnus tag das ganze Officium defunctorum vor dem Amt pflege gehalten zu werden, nachdem die Todten Vesper schon offentlich geschehen, nach der Vesper, an Allerheiligen Tag abend mit umgang der Kirchen und Kirchhoff cum paramentis nigris singend und bettend vor die abgestorbenen der pfarren und ganzen Kirchen; So ebenmäsig nach verrichte Amt der Seel Mess widerum thun geschehen, an welchem Tag auch und Vorigen Festägen oben genannt die ganze pfarr Klein und groß, so zum Communiciren tauglich mann= und weiblichen Geschlecht einmal unter dem Hohen Amt in gebührender zeit zu opfferen schuldig ist, unter Straff eines halb pfund wachs, halb Herrn Pastori, und halb der Kirchen fabric zu zukommen, darauff der Custos achtung zu haben wie auch wan sonsten in den leicht begräbnussen, begängnussen und zunfttägen zu Osteren.

Daß der Kirchen Custes /: so jezt in die 16 Jahr Martinus Mons, welcher auch schulmeister und Organist zugleich ist :/ H. Pastori den Ayd der Treu schuldig sey zu leisten, und dann in allem zu gehorsamen, in der Kirchen, und drausen, wo es vonnöthen seyn wird, bey zuspringen, auch wann etwaß vor den Senstuhl vorzubescheiden, Er selbiges verrichten soll, davon ihm kläger drey albus Trierischer Währung reichen soll, von welchen Er einen vor sich behalten mag, die zwey übrige H. Pastori gebühren; und wann ein Kirchenstraff einzuforderen, selbige exequiren soll in H. Pastori nahmen; davon Ihm 4 alb zu lohn gebühren, die straaffen aber in drey Theil vertheilet werden, deren Eins H. Pastori gebühre, 1/3tel der kirchen fabric von H. Kirchenpflegern zu empfangen, und zu verrechnen, der 3te Theil aber H. Synodalen untereinander.

 

So offt auch einiger oder der ander Synodal, oder alles zu H. Pastorem werden berufen werden, um etwas widriges zu richten und zu schlichten, gebühre ihm vom Reo zu zahlen drey alb, H. Pastori aber 6 alb obiger währung. Daß zu St. Wendel ein alt herkommender Gebrauch seye, daß neben sieben Hochgerichtsscheffen, und vierzehn Kelleryscheffen, auch vierzehn der Kirchen Synodalen neben sieben Kirchenscheffen mögen stehen, also zwar, daß Hochgerichtsscheffen und Kellereyscheffen, wohl auch Synodalen mögen seyn, kein Kellnerey scheffen aber Kirchenscheffen seyn mag. wohl doch ein Hochgericht Scheffen, auß ursachen, daß die Kirch mit ihren Gütern mit den Kellerey Gütenr zuweilen streitig mögen werden, und dann niemand füglich zweyen Herren dienen mag.

Dan gleichwie die Kellereyscheffen auf die Kellerey Güter in acht zu nemmen haben, also die Kirchenscheffen auf der Kirchen Güter; alß wiesen, Gärten, felder, wälder, Häuser und anders, so denen auch die Erbung in selbige solle geschehen, und dann von jeder Erbung Salarium empfangen thun 13 alb und 29 Trierischer Währung, Darvon 6 alb der Kirchen fabric gebühren, das übrige H. Pastori und scheffen zu verzehren.

daß auch wann ein scheffen oder Synodal verstorben, oder auß sonst wichtigen ursachen abkommen, und ein anderer an dessen plaz soll erwählt werden, die wahl eines Synodals /: deren Amt ist, H. Pastori in Obachtung der guten sitten, und gebührenden Gottesdienst helffen, nach vermögen beyzuspringen; alle unordnung abschaffen, und der Kirchen regierung von H. Kirchen pflegern in Einnahm, und Außgaab Rechnung mit H. Pastor zu verhören :/ von H. Pastore und übrigen Kirchen Synodalen soll geschehen, und dann einen Tugendsamen, Ehrbaren, von guten sitten auferbaulichen Mann nachwählen, welcher nach erwählung ganz willig das aufgetragene Amt, alß ein ehren Amt der Kirchen soll annehmen, den Ayd des gehorsams und Treu H. Pastori im Nahmen der Kirchen nach dessen soll ablegen, zu mehrerem nit schuldig seyn, alß H. Pastori wie von alters her einen Goldgulden, und dann sämtlichen Herrn mit Synodalen einen Goldgulden zu verzehren, und seye das grose Gastmahl geben ein mißbrauch, so nur schaden verursache.

 

Da auch ein Kirchenscheffen zu erwählen sey, soll selbiger von H. Pastoren, Kirchenpflegern, und übrigen Kirchenschöffen erwählt werden ein ehrbarer, gewissenhafter und ungetadelter Mann, so ebenmäsig H. Pastori und der Kirchen getreu zu seyn schwören soll, und dann H. Pastori schuldig sey einen Goldgulden, den übrigen scheffen und Kirchenpfleger auch mehr nit zu verzehren alß einen Goldgulden.

und gleichwie die Kellnerey berechtiget ist, neben ihren scheffen einen schultheis zu haben, also die Kirch mit ihren scheffen einen schultheiß zu bestellen, welcher mit ihnen der Kirchen güter Obsicht habe, selbige wahr nehme, und H. Kirchenpfleger eintreibe, daß sie von ihm der Kirchen nach Gebühr verrechnet werden, und habe solcher schultheiß zur bestallung von der Kirchen Jährlich Ein Malter Korn, und Ein Malter Haber Wendelischer Maaß.

 

Der Kirchenpfleger der Kirchen, so gemeiniglich von Ihre Kurfürstlichen Gnaden Erzbischofen zu Trier, oder dem Ers befehlt, auf Angeben H. Pastoris und Kirchen Synodalen pflegt eingesezt zu werden, seye Jezt Mr. Thibault von vorigem Pastore H. Johann Nicolas Molitorem eingesezt, der allein alles verwaltet wegen Verwirrung der zeiten, welcher seine Rechnung vor H. Pastore und Kirchen Synodalen jährlich zu thun pflege, in drei Jahren aber nicht mehr geschehen sey, und darum bald anzutreiben und daß solchem um Jährliche Rechnung führung, und allerley der Kirchen güter Verwaltung dem rechten nach von gemeldeter Kirchen gebühre, doch nit wissen, wie es einkommen: An Korn sechs Wendlische Malter an Haaber aber vier Malter wie die alte rechnungen außweisen.

daß einer da seye, und zwar ein Rechts gelehrter mit Nahmen H. Salomon Halbisch, so um die halbe bestallung Alles der Kirchen zu Thun verspreche, auch sonsten alle andere vortheilen der Kirchen will zukommen lasen; welche ebenmäsig verspreche zu thun H. Michael Josephs Hochgerichtsscheffen, der schon vorhin mit H. Nicolas Molitore gewesenem Pastore, die pflegung der Kirchen schon über sich gehabt, und selbiger durch gemeldeten H. Molitorem jährliche Rechnung gethan vor allen Synodalen.

Item daß so offt Kirchen rechnung geschehe, jedem anwesenden der rechnung nach gebühr schuldig beywohnenden täglich pro Salario gebühre ein Trierischer Gulden oder 24 alb.

Item daß H. Pastor zu St. Wendel nach ihren wissen jährlich berechtiget, aus dem grosen zehnden zu St. Wendel von H. Rectore im Hospitale Cous an der Mosel bey Berncastel, so sich der pfarrey Collator schreibet, oder von dessen factor, so Jezt H. Joes Demuth zu empfangen an Korn fünffzehn Wendlische Malter, und fünfzehen an haaber, in allem jährlich 30 Malter, von der kirchen widerum, oder von der Kellnerey im Nahmen der Kirchen zehn Malter Korn, und zehn Malter haaber Wendlisches Maaß, in allem zwanzig Malter, daß Er darneben berechtiget sey eines zehenden auf Baltersweiler und Borner Land, so ihm von langen zeiten allein thun zukommen, so aber ein Jahr besser als das andere nach dem Ackerbau gemeldetem Borner Land.

Daß Er wiederum berechtiget gegen Ihro Kurfürstlichen Gnaden zu Trier Kellerey in St. Wendel, den halben kleinen zehnden in der Statt, und allen Dörffern der pfarrey zugehörig, alß

St. Wendel,

Urweiler,

Niderweiler,

Breiten,

Alzfassen,

Hirsweiler, so Jezt verfallen,

Baltersweiler, Mauschbach,

Hoffelt,

Limberg,

Eisweiler, so Jezt verfallen,

Heisterbach oder Mauren, so Jezt verfallen,

Pinzweiler auch Spixzellen, so Jezt verfallen,

Gehweiler was auf Trierischer seiten,

Fourschweiler,

Born so Jezt verfallen,

Roschberg,

Rasweiler, so Jezt verfallen, und

Reistscheid,

so alle in die pfarrey gehörig, und bestehe dieser kleine zehnden in Lämmer, wann darin seye, in fercklen, so lange zeit nit mehr geben, aber nit wissen, wie abkommen, da doch ein kirchen brieff zu Trier in der Kisten durch ein Notarium publicum aufgesezt, darvon Meldung thut. item bestehe er in Allerley werck, wo der mag gesäet und geplanzet seyn im Gärten oder felder, alß flachs und Hanff, mit diesem aushalt, daß waß in Kellerey Güter geplanzt wird an Werck, wie auch aus altem Gebrauch zu Mauschbach, Born, und Baltersweiler dem H. Pastori allein ganz gebühren thun, wie ebenmäsig die Lämmer und fercklen.

 

zu dem sey alles vieh im pfarrhoff Hirten frey, alß schwein und rinder, darum Er auch schuldig ist /: wie dasiger Churfürstliche H. Kellner der ebenmäsig an all solchem hirten frey ist :/ einen ziegel farre, und Eber zu halten, der tauglich seye.

Wiederum seye Er berechtiget, jährlich von H. kirchen pfleger im Nahmen der Kirchen zu empfangen hundert Trierische Gulden, jeden ad 24 alb gerechnet.

Item so offt ein Grab in der Kirche verkaufft wird, von Käuffer zu empfangen einen Goldgulden, wie auch die Kirch einen Goldgulden. H. Schulmeister oder Couster 12 alb.

Item seye Ihm die Kirch schuldig jedes Jahr an h. Mutter Gottes Reinigungs Tag oder Lichtmeßtag ein zwey pfündige Kerz. Jedem H. Altarister, Couster und Kirchen pflegern eine pfündige, so sie nach gehaltenem Dienst mögen für sich nacher Hauß tragen.

Die Jura Stolae betreffend, sey nach altem Gebrauch für eine heurath oder Dimissionis der proclamationen H. Pastori ein Goldgulden, H. Custodi ein schoppen wein gebühret auch H. Pastori von der braut ein ehrliches schnuptuch und so er nicht zur Hochzeit gehet, ein Kranz mit einer halb masen wein.

für die begräbniß eines unmündigen Kindes, so noch nicht das h: Sacraments der buß oder beicht fähig ein Kopstück oder 12 alb ohne Mess; mit einer Meß 24 alb oder zwey Kobstück für die begräbnuß eines gewachsenen und gebeichten einen Goldgulden, und vor jeden Dienst mit einem Nocturn der Todten Vigili nach dem Tag, und grabgehen jedesmal einen halben Reichsthaler oder 27 alb neben dem opfer aufm Altar unter dem Amt. H. Custodi 1/3tel So die Verheurathete den andern Tag eine Mess vor ihr abgestorbene lesen lasen, gebüret H. Pastori ein Kopstück oder 12 alb.

So offt ein Anniversarium oder Jahr gedächtnuß gehalten wird, mit einem Nocturn der Todten Vigili und Grab gehen, neben dem opfer gebührt H. Pastori ein halter Rthlr oder 27 alb H. Custodi 2 alb. item Jedem beywohnenden H. Altaristen um helffen zu singen 2 alb.

Wann kein Todten Vigil gehalten, sondern die Mess allein mit dem Grabgehen geschicht, ist man nicht zu Opferen schuldig, und gebühret H. Pastori ein halber schwerer Gulden, oder 18 alb, andere nichts, geschicht die Mess gar allein, gebührt nur H. Pastori ein Kopstück oder 12 alb, welche 12 alb der gemeine tax gewesen für jede gemeine hohe Mess in der pfarrey, und 8 alb oder ein Orths Gulden geld für jede stille Mess, in der Kirchen und Kapellen der statt.

Ist es aber, daß zu St. Annen oder St. Wendelsbronnen vor der statt Meß soll geschehen, gebühren sich für jede stillmess 12 alb für jede hohe Mess oder singmess 18 alb.

So offt ein bruderschaffts dienst geschehet und H. Pastor unter dem Amt predigen thut, gebühret ihm neben dem opfer zwey Kopstück oder 24 alb, thut Er aber ncht predigen, nur 12 alb, wird aber doch geopfferet. H. Altaristen und Cantori jedem 2 alb.

Ist es sach, daß zu einem seelen dienst die grose Glock gelauten wird, wi auch die ChorKapp gebraucht, gebührt darum Herrn Pastori ein Reichsthaler, der kirchen ein halber, und dem Custos ein Orths Thaler, und kann geschehen, um alle Inwohner, und andere, die solches nach stand und Gebühr begehren.

 

Ist es sach, daß einiger Opferstock in der pfarrkirchen, oder zu St. Annen Kapelle, oder zu St. Wendels bronn eröffnet wird, durch H. Pastorem, Kirchen pfleger, und H. Rectoris factorem, so gebührt H. Custodi ein halb Kopstück, H. factori 18 alb, H. Kirchenpfleger 18 alb, man giebt auch jeziger zeit H. Pastori nur 18 alb und theilt das übrige in zwey theil, darvon die kirch das halbe nimt, und H. Factor das andere halb, allein befind sich, daß es in 3 theil sollt getheilet werden, und neben der kirchen und factor wie jedem also auch H. Pastori ein Dritheil gebühren.

Alles opfer aber an Geld, flachs, hühner, Ayer, Korn, Lämmer, Käß, und butter, wo es nur in der Kirchen oder pfarrey Kapellen geopfert wird, gehöre H. Pastori allein oder dem ers vergünstigen will, daher H. Custodi die Ayer vergünstiget worden.

Doch waß an Wachs gemacht, oder ungemacht geopfert wird, wo es sey, gebühre der kirchen fabric, also aller Hanff für die Glocken seil, item woll, öel und Tücher. Es war auch ein alter Gebrauch, der aber Jezt auß ursachen schier im ganzen Erzstifft abgestellet worden, daß, so oft H. Pastor einem Kranken das h. Nachtmal, oder heilig öel getragen, Ihm gereicht wurde ein halb kobstück oder 6 alb, darvon jezt nichts mehr, wie auch kein beichtpfenning, wohl aber der Communiren will an der Communionsbanck noch einen pfenning zu opfern schuldig seye.

und solle alle hl: Sacramenten gratis administrirt werden, doch gebühren H. Pastori nach einem getauften Kind neben etwan ein Verehrung der petter oder Gothen um einschreibung in das Taufbuch jedesmal 3 alb, H. Custodi oder schulmeister und Custes 1 alb.

um Auseegnung einer Kind betterin, weilen der wagen holz führung von jeder fuhren in Abgang kommen An Gold 6 alb ein halb Kobstück,

Item um eine Recommendation von der Kanzel 3 alb um ein zuläsiges Monitorium 6 alb Eine Verstorbene seel das Jahr durch nach löblichem Gebrauch in der Gemeinen Gebett zu befehlen, 12 alb ein Kobstück.

um ein Allgemeines Gebett für jemand zu begehren 3 alb. vor die gemeinde ein extraordinaire Procession zu thun 12 alb.

 

Hierneben sey H. Pastor von altem Herkommen berechtiget Jährlich zu empfangen vom ersten Kind, so über Tauff gehoben wird im neuen geweyheten Chrysam, einen Osterbock, und pfingst bock, welcher mit einem Goldgulden mag gelöset werden.

Ist auch die Kirch schuldig die Abhohlung des neuen Chrysam und andere h:h: unctiones zu Trier 1 Reichsthaler Item ist die Kirch schuldig alle refectiones in der Kirchen pfarrhoff und desselben Nothwendigkeiten und unterhalt, also daß H. Pastor im geringsten nichts schuldig ist, zu machen, alß was Er auß Muthwillen oder fahrläsigkeit verderben läst.

Es ist ihm auch von der Gemein oder von der Kirchen, Wie es höhere Obrigkeit gut befindet, alles in Schuldigkeit bey zu schaffen, waß Er zum Pastor Dienst vonöthen hat, die Agend Meßbücher, Gesang bücher, alß Gradual und Antiphonal, Processional, auch Biretum, Superpellicium, oder Chorröckel, samt einem Diener, so allezeit mit ihme hinausgehe in alle Dörffer, die h:h: Sacramenten zu administriren, um die Nothwendigkeit bey zulangen, auch zu antworten, damit Er nicht allein seyn mag, weilen H. schulmeister als Cantor und Custos Genug mit dem GottesDienst in der Kirchen zu thun hat, und also öffters nit kann mitgehen, und falls einer von Herrn Altaristen oder andere Geistlichen solche administrirung geschehen sollt, ebenmässig handreichung geschehen mag. Wie billig. Daß auch H. Pastor neben pfarrhaus, Hoff, stallung und scheuer, so Jezt verfallen, berechtiget etlicher withumbfelder, Gärten und wiesen, wie nit weniger h:h: Altaristen und schulmeister, wie in folgender Specification zu ersehen.

 

Gärten, Wiesen und Grometer der pfarrey incorporirt.

 

Anno 1609 den 28te Aprill durch Leonard Dahm Hochgerichtsschultheisen, und Sebastian Mozen, in beyseyn H. Nicolas Biedburg Pastore, Johann Dahm Kellnere, Johann Moriz zoly Kirchenschultheisen, Sebastian Ganzen, Petern schorrbach, und Hans Scherer alle drey Kirchen Sehner, und Petern Angel von Uhrweiler Kirchenschäffen begangen, und durch Leonard Dahm Kirchenpflegern verzeichnet.

 

Erstlich ein Groser Baumholder und Grabgarten vor der Oberpforten in der Riegelscheib zwischen Johann Dahmen, und Niclasen Demuths schuhmachers hinterlasenen Wittiben Marien gelegen, von oben dem weeg an biß unten zum Graben der wiesen auf beyden seiten mit steinen vermarckt.

Item ein Garten vor der Oberpforten, stöst an den Gemeinen Graben, und anderseits an das Gäßgen, so in die unterste Bosenbach geht.

Item vor der unterpforten an der strassen zum Brüel zu ein langer Grabgarten ziehet auf dem brüelbächlein hinab.

Ein klein viereckig Gromatstück in der untersten Bosen bach neben den zeilingen, stöst wider das Glocken Gromet, ist mit weiden ausgemarckt.

Ein grose Wieß in der Reichwiesen samt dem Weyer so verfallen. thut 4. wagen heu.

Item das Gromet bey der Reichwiesen, so gegen ein Grometstück in der Augen mit H. Johann Dahm durch Kurfürstliche Consens vertauscht worden ohngefehr 2 wagen heu neben Obstbäumen ist mit Hecken umsezt

Item ein Grometstück in der born Gassen ist mit hecken ausgemarckt ohngefehr ad 3 wagen heu.

Item zwey Grometstück aneinander oberhalb des hohen steegs hieseits Alzfassen ist ausgeheckt ad 3 wagen

Item ein Grosen und kleinen Brüel hinter Urweiler oben und unter Hirschweiler furt, gehört das halbtheil zur Pastorey.

 

Item ein Feld vor hundbesch auf dem Geilinger

Item ein Morgen feld im Abendstall stost an die Gärten langs hinaus, auf der anderen seiten neben Johann Dahmen Erben.

Noch unten 1/4tel Acker im Abendstall

Item ein feld zu nächst an Gros Catharinen Garten oben an Niclasen Demuth schuhmacher

Noch ein klein feld auf selbigem Flor zwischen Balthasaren Rieffer und Leonard Dahmen - 1/4tel lands

Item ein klein außgesteint feldgen zwischen der Glocken achten beym langen Garten ohngefehr 1 ½ Viertel lands.

Item noch ein klein feldgen am schwertling zu nächst an, oder unter Leonard Dahmen ungefehr 1 ½ Viertel lands.

 

Ad Altare Beatae Mariae Virginis gehörige Güter.

Erstlich zwo lange Ruthen Grabgarten im Kelzweiler auf der lincken hnad zwischen Brudermeister Kurzer ruthen, und Johann Dahmen Kellnern gelegen, haben hinden zu Graßglöcklein.

Item ein Groß Gromat im Kelzweiler auf der rechten hand hinter hanns Rüttigs Garten gelegen.

Item ein Gros Weiß unter Niderweiler auf der bach ist ausgesteint.

Item ein wiesen stück unter der breßbach.

Item auf der Joes bach unter dem steeg ein wiesenstück.

Item das halb feld am berzberg oben ab, gegen dem Altar Sti Dominici ist nichts zu.

 

Ad Altare Stae Crucis.

Erstlich zwo ruthen GrabGarthen in Kelzweiler auf der lincken hand zwischen Johann Dahmen Kellneren und dem kleinen Gäßlein oben daran.

Item ein Gromatstück hinter dem alten Gudthauß bey Georg Glasenern gelegen.

Item in dem obersten kleinen Kirchenbrüel hinder Uhrweiler gegen dem H. Pastore das Halbtheil.

Item ein wiesen stück hinter spriet oben den brandecken.

Item ein feld hinter dem Gudthaus samt dem Rech.

Item ein Morgen feld jenseits der Azelwiesen.

 

Ad Altare Sti. Dominici

Erstlich ein kurze Gartenruthe in Kelzweiler neben dem Brudermeister Garten.

Item zwo Ruthen Garten gegen dem Alten Gudthauß über an dem Gäßgen, so zu den neugärten geht, gelegen.

Item ein Gromat auf der Augen.

Item in dem untersten grosen Kirchenbrüel das Halbtheil gegen dem H. Pastore.

Item die klein Presenz wies hinder Uhrweiler bey Johann Dahmen Kellnern.

Item ein wiesen stücklein unter Geilingers Rech bey Leonard Dahmen gelegen.

Item das halb feld am BerzBerg unten ab gegen den Altar Beatae Viriginis.

 

Nota weilen dieser Altar jeziger zeit vacant, haben gemeldete Güter unter sich getheilt die anderen Herrn Geistliche, Biß Er wiederum bedient wird, da sie dann sollen abtretten. Darum geniest darvon H. Pastor die kleine ruth Gartens in Kelzweiler neben dem Brudermeister Garten.

Item den halben grosen Kirchenbrühl hinter Uhrweiler.

H. Altarist Beatae Virginis geniest die 2 ruthen Gartens gegen dem alten Guthauß über, an dem Gäßlein, so zu den Neugärten geht.

Item das halb feld am Berzberg, unten ab.

H. Altarist Stae Crucis das gromat auf der Auen.

Item die klein praesenz weiß hinter Uhrweiler bey Leonard Dahmen H. Custer oder Schulmeister das Wiesenstücklein, unter Geilingers Rech bey Leonard Dahmen.

Item ist H. Custodi zugelassen worden wegen der Kirchen.

Ein Garten vor der Oberpforten unten an dem Gäßlein, so in die unterste Bosenbach zum stattgraben zugeht, neben Hauprichts Marien gelegen.

Item ein Gromat stück bey dem langen Garten, stöst auf den weeg der Küh Tränck, trägt ohngefehr 1 wagen heu.

Item ein wiesen stück in der kleewiesen nächst bey Antonius Müllen zwischen Sebastian Hauzen und Thomas Michelen ohngefehr von = 2 wagen heu.

 

Weiters ist keinem nichts zugeschäzt worden. Alle übrige Güter gehören der kirchen fabric zu. Wie im Gemeldeten Allodialbuch vermeldet wird.

Es sey auch H. Pastor zu St. Wendel berechtiget, von der Kirchen, wenn Er sollt wegen Mangel einen Caplan halten, erstlich zehn Trierische Gulden, und eben so viel von den bürgern; Jtem von der Kirchen sechs Wendlische Malter Korn, wie alte brief außweisen. Neben noch andern Gerechtigkeiten, deren etliche in abgang kommen, wie auß einem des Pastoris Competenz brieff von anno 1540. durch Kaiserlichen Notarium beschrieben, zu sehen.

Und habe die Kirch zu St. Wendelin vor diesem sehr viel Privilegia gehabt samt ihren H. Geistlichen, alß daß selbige ein freye Pastorey gewesen, von keinem Capitul dependirend, auch allen Simplen frey, niemand erkennend alß H. Erzbischoff zu Trier, da sie auch immediate in der Dohm kirchen wie ein Dechaney Sacrasunctiones thun hernehmen, und so gar Collationem perpetuam a Collatore thun empfangen, so daß auch keinem Erz Diacono zu Trier darvon waß thun gebühren; allein Commission_ regendi H. Pastor und Altaristen zu nehmen haben als Ordinario. daß aber schier alle Privilegien brieff durch vielfältige Krieg und Veränderungen verlohren gegangen, und auch Jezt die pfarr von H. Bischoff zu Mez dem Mezer bistum zugesellet worden, dadurch viel Veränderungen entstanden, und noch entstehen mögten, wie sie alle wohl wüsten zu bezeugen.

 

Nachdem ich solches Alles von samtlichen Synodalen also verstanden, und eigenhändig aufgesezt, hab ich erfordern lasen Herrn Ernestum Hoffmann Pastorem zu Ottweiler Mezer Bistums, welcher daher kommen und in Gegenwart H. Amt Verwalters Damianum Dahm, H. Johann Müller Juncker von Weiskirchen, H. Thiebauld Kirchen pfleger, und allen Synodalen, mich in actualem et realem possessionem der pfarrey St. Wendel, nach Gebrauch der heiligen Kirchen Canones gesezt, da ich Dann alßbald mein Amt angefangen nach Gebühr zu vertretten, und

 

d 13ten Christmonath 1697 hab ich getaufft Solemniter Antonium Guerin, Christophori Guerin und Annae Barbarae Angel seiner Haußfrauen von St. Wendel eheligen sohn, war der Taufpath Antonius André, die Godt Maria Agatha Thiebauld -

 

d 15ten Xbre 1697 hab ich getaufft Solemniter Mariam Enckich, Petri Enckich und Catharinae Schwaan seiner Haußfrauen von St. Wendel eheliche Tochter, war der Tauffpath Joes Georg Knoll die Godt Maria Lieb.

 

d 30ten Xbre 1697 ist mit allen h:h: Sacramenten versehen auf unserem Kirchhoff mit Begleitung ihrer Kinder begraben worden, und deren seelen dienst gehalten worden Catharina Kulenborn von ohngefehr 80 Jahren

 

d 2ten Jan 1698 ist allhier Solemniter getaufft worden Jacob Hauz, Wendelini Hauz und Margrethae Demuth seiner Haußfrauen von St. Wendel ehelicher Sohn, wan der Tauffpath Joes Jacob Jungbluth, die Godt Madame Dahm, Magdalena de Koeler.

 

 

Quelle: Pfarrarchiv St. Wendel, B36 Seite 77 bis 104

Eigene Abschrift mit Korrekturen von Dr. Margarete Stitz, St. Wendel.

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